Allg. Informationen
Dauerausstellungen
Wechselausstellungen
Monatsveranstaltungen
Museumspäd. Angebot
Kulturreferat
Leihausstellungen
Museumsshop
Startseite
Ostpreußisches Landesmuseum in Lüneburg
 
  Kulturreferentin für Ostpreußen
 
Studienreise 2009
Auf den Spuren von Marion Gräfin Dönhoff
Reise durch Ostpreußen

vom 10. bis zum 20. September 2009

Eine Veranstaltung von:
  • Dr. Jörn Barfod
    Ostpreußisches Landesmuseum
  • Agata Kern
    Kulturreferentin für Ostpreußen
Teilnahmebedingungen und Anmeldung
Anmeldeschluss ist der 31. Juli 2009
 
Zeittafel
 
 
  • 02.12.1909: Marion Dönhoff in Friedrichstein/Ostpreußen geboren. Schulzeit in Friedrichstein, Königsberg, Potsdam
  • 1928: Abitur
  • 1931: Studium der Volkswirtschaft in Frankfurt/Main und Basel
  • 1935: Promotion
  • 1936: Einarbeitung in die Verwaltung der Dönhoffschen Familiengüter Friedrichstein und Quittainen
  • 1941: Ritt durch Masuren mit ihrer Cousine Sissi Lehndorff
  • 1945: Flucht aus Ostpreußen auf dem Fuchs Alarich, Ankunft in Westfalen
  • 1946: Eintritt in die Redaktion der ZEIT in Hamburg
  • 1955: Verantwortlich für das politische Ressort der ZEIT
  • 1968: Chefredakteurin der ZEIT
  • 1973: Herausgeberin der ZEIT
  • 1992: Enthüllung des Kant-Denkmals in Kaliningrad
  • 1995: Das private Gymnasium im früheren Nikolaiken (Masuren) erhält den Namen Marion Dönhoff Lyceum
  • 1999: Ehrenbürgerin von Hamburg, Ehrendoktor der Universität in Kaliningrad
  • 11.03.2002: Marion Dönhoff stirbt auf Schloß Crottorf im Siegerland
(Haug von Kuenheim/Hans Joachim Kürtz: Ostpreußen. Auf den Spuren von Marion Gräfin Dönhoff)



Reiseverlauf
 
Donnerstag, den 10. September
Anreise nach Marienburg (Malbork)

Fahrt Lüneburg-Marienburg
Übernachtung in Marienburg

 
Freitag, den 11. September
Marienburg

Führung durch das Schloss Marienburg
Fahrt nach Elbing
Besichtigung der Stadt (fakultativ)
Übernachtung in Elbing

Als die Ordensritter im 13. Jahrhundert die Weichsel überschritten hatten und sich in den riesigen Wäldern des Ostens ansiedelten, war die Landesverteidigung ihre Hauptsorge. Ein stehendes Heer konnte der Orden sich nicht leisten, darum knüpfte er an den Besitz von Grund und Boden die Verpflichtung zum Ritterdienst und schuf damit eine Klasse, die über großes Areal verfügte und dafür Kriegsdienst leisten musste. [] Während sich der Orden in den ersten Jahrhunderten das Eigentum an Grund und Boden vorbehielt und die Güter nur als Lehen vergab, waren in späterer Zeit bei schlechter Wirtschaftslage die Rückstände an Söldnerführer und andere Gläubiger zu solch riesigen Summen aufgelaufen, dass er dazu übergehen musste, sie ihnen zur Befriedigung jener Forderungen zu überlassen. So begann die zweite Epoche, in der der Orden sich genötigt sah, Güter zu verkaufen oder gegen Bargeld zu verpfänden und damit den privaten Besitz zu vergrößern. (I, 161f.)

Seit Tagen war ich in der großen Kolonne der Flüchtlinge, die sich von Ost nach West wälzte, mitgeritten. Hier in der Stadt Marienburg nun war der Strom offenbar umgeleitet worden, jedenfalls befand ich mich plötzlich vollkommen allein vor der großen Brücke. [] Bald sah ich drei Gestalten in Uniform vor mir, die sich langsam und schweigend über die Brücke schleppten: Einer ging an Krücken, einer am Stock, der dritte hatte einen großen Verband um den Kopf, und der linke Ärmel seines Mantels hing schlaff herunter. [] Für mich war dies das Ende Ostpreußens: drei todkranke Soldaten, die sich über die Nogat-Brücke nach Westpreußen hineinschleppten. Und eine Reiterin, deren Vorfahren vor 700 Jahren von West nach Ost in die große Wildnis jenseits dieses Flusses gezogen waren und die nun wieder nach Westen zurückritt - 700 Jahre Geschichte ausgelöscht.
(II, 9f)
 
Samstag, den 12. September
Oberlandkanal (Elbing - Buczyniec)

Fahrt mit dem Schiff auf dem Oberlandkanal (Elbing - Buczyniec)

Wenn ich auf die Frage nach meiner Heimat auch heute, ohne nachzudenken, antworte: "Ostpreußen" und nicht Hamburg, wo ich doch seit über vierzig Jahre lebe und gern lebe, dann gibt es dafür einen Grund: Mir fehlen die Landschaft, die Natur, die Tiere jener untergegangenen Welt. Und auch die Geräusche, diese tausendfältigen Geräusche, die sich unverlierbar für immer ins Gedächtnis eingegraben haben. (I, 210)

Weiterfahrt mit dem Bus nach Allenstein über:

  • Preußisch Holland (Paslek)
    Besichtigung der Stadt
    Bis Pr. Holland waren es von Quittainen nur 11 Kilometer. Eine gute Stunde Fahrzeit, so rechneten wir normalerweise. An diesem Tag brauchten wir sechs Stunden. Die Straßen glichen spiegelblankem Eis, die Pferde rutschten, das Coupe, in das wir zwei Kranke verladen hatten, stand dauernd quer zur Fahrtrichtung. Aus allen Nebenstraßen kamen sie gequollen und verstopften die Kreuzungen, und einen Kilometer vor der Stadt kam alles endgültig zum Stillstand. Wir standen über zwei Stunden, ohne auch nur einen Zentimeter vorzurücken. Es waren 20 Grad Kälte. [] "Wenn wir doch unter die Russen fallen, dann schon lieber zu Haus" - das war so etwa die Formel, auf die sich alle geeinigt hatten. Und noch etwas anderes hatten sie alle miteinander inzwischen beschlossen: dass ich versuchen sollte, mit meinem Pferd nach Westen durchzukommen, denn mich würden die Russen bestimmt erschießen, während sie selber nun eben in Zukunft für die Russen die Kühe melken und die Scheunen ausdreschen würden. Wie irrig diese Vorstellung war, dass den Arbeitern nichts geschehen würde, ahnten weder sie noch ich damals. (II, 22f)
  • Quittainen (Kwitajny)
    Das Gut bildete den Mittelpunkt der Dönhoffschen Güter im ostpreußischen Oberland. Es war 3800 Hektar groß mit ebenso viel Wald, der zu den besten der Provinz gehörte. Seit 1939 verwaltete Marion Dönhoff diesen Besitz, und als ihr ältester Bruder in den Krieg zog - er fiel zu Beginn des Russlandfeldzuges - von hier aus den gesamten Familienbesitz. Hier erlebte Marion Dönhoff den 20. Juli 1944 und trat ihren Ritt nach Westen an.
  • In Mohrungen (Morag) wurde 1744 Johann Gottfried Herder geboren. Besichtigung des Museums mit Familienporträts der Dönhoffs, die aus den umliegenden Schlössern gerettet wurden. Der größte Teil des Hauses ist Herder gewidmet.
Übernachtung in Allenstein

 
Sonntag, den 13. September
Rundfahrt durch Masuren

Heilige Linde (Swieta Lipka): Besichtigung der Kirche und ein Orgelkonzert
Wolfschanze (Gierloz): In der Wolfschanze stand auch die Baracke, in der am 20. Juli 1944 Oberst Graf Stauffenbergs Bombe explodierte. Hitler überlebte. 1992, am 48. Jahrestag des Attentats, wurde eine Gedenktafel enthüllt. Auf polnisch und deutsch ist dort zu lesen: "Hier stand die Baracke, in der am 20. Juli 1944 Claus Schenk Graf von Stauffenberg ein Attentat auf Hitler unternahm. Er und viele andere, die sich gegen die nationalsozialistische Diktatur erhoben hatten, bezahlten mit ihrem Leben." Die Familie Stauffenberg war bei der Enthüllung der Gedenktafel dabei. (IV, 72f.) Marion Gräfin Dönhoff schrieb: "Daß Adolf Hitler einen Krieg anzetteln, der Jahre dauern und an dessen Ende Ostpreußen verloren sein würde, das war mir sehr bald klar: darum auch das Bedürfnis, sich mit Gleichgesinnten und Gleichbesorgten enger zusammenzuschließen.(III, 187) [...] Nichts konnte schlimmer sein, als alle Freunde zu verlieren und allein übrigzubleiben". (III, 191)
Rastenburg (Ketrzyn): Besichtigung der Stadt
Dönhoffstädt (Drogosze): Und Dönhoffstädt, das bis dahin Wolfsdorf hieß, war aus ähnlichem Grund in den Besitz meiner Familie übergegangen. Der Vorbesitzer, von Rautter, hatte 1586 durch die Pest fünfzehn Kinder verloren; nur eine Tochter überlebte und heiratete einen Dönhoff. Übrigens ging Dönhoffstädt der Familie wieder verloren, weil der letzte Dönhoff dieser Linie 1810 als Zwanzigjähriger im Duell gefallen ist. (I, 125)

Übernachtung in Allenstein

 
Montag, den 14. September
Allenstein (Tag ohne Bus)

Am Vormittag Besichtigung der Stadt und ein Treffen mit Borussia (einer Stiftung, die die Kultur Ermlands und Masurens erforscht und vermittelt. Durch Mitgestaltung und Stärkung der Zivilgesellschaft setzt sie sich für Toleranz und Dialog zwischen Menschen unterschiedlicher Kulturen und Religionen ein. Die Leitidee der Borussia ist ein kulturelles Wirken über Teilungen und nationale Konflikte hinaus).

Nachmittag zur freien Verfügung
Am Abend ein Konzert oder Theaterbesuch, oder ein Vortrag (fakultativ)
Übernachtung in Allenstein

27. September 1941. Sissi und ich treffen uns am Morgen in Allenstein auf der Verladerampe des Güterbahnhofes. Soldaten, Urlauber, militärische Transporte - ein zeitgemäßes Bild. Wir satteln noch im Waggon, denn beide Pferde sind so unruhig, dass sie einmal ihrem Gefängnis entronnen - keinen Augenblick stillhalten würden. [] Wir müssen quer durch ganz Allenstein, um in Richtung Lanskerofen den Weg über Jommendorf - Reußen zu erreichen, eine aufregende Angelegenheit, denn bei jedem Lastwagen und jeder Elektrischen sprengt einer von uns quer über die Straße. (II, 37)

 
Dienstag, den 15. September
Nikolaiken - Lötzen - Steinort

Besuch im Marion-Dönhoff Gymnasium in Nikolaiken und evtl. Gespräch mit dem Deutschlehrer
Am Nachmittag Fahrt nach Gizycko und eine Bootsfahrt nach Sztynort
Besichtigung des Schlosses in Sztynort
Fahrt mit dem Bus nach Gizycko
Übernachtung in Gizycko

Steinort (Sztynort): Unsere nächsten Verwandten waren die Steinorter Lehndorffs. Steinort war ohne Zweifel der schönste Besitz in Ostpreußen [] Die Landschaft war unvergleichlich großartig. (I, 123) Steinort ist etwa seit 1400 im Besitz der Familie Lehndorff gewesen - in der Verleihung des Ordens war von einer "großen Wildnis" die Rede. Seither hatten die Lehndorffs über fünf Jahrhunderte dort in Masuren am Rande des Mauersees gelebt und gewirkt. 1689 hatte Marie Eleonore, eine geborene Gräfin Dönhoff, die schon mit 25 Jahren verwitwet war, den Bau des Barockschlosses in Angriff genommen. [] Es gab viele schöne Besitze in Ostpreußen, aber kaum einen zweiten in so unberührter, großartiger Landschaft. Ein verträumter und leicht verwilderter Park mit vielhundertjährigen Eichenhallen führte vom Schloß herunter zu dem größten der masurischen Seen. (II, 65)
 
Mittwoch, den 16. September
Fahrt nach Königsberg

Fahrt nach Königsberg. Auf dem Weg dorthin Besichtigung von Friedrichstein
Der Rest des Tages bleibt zur freien Verfügung
Übernachtung in Königsberg

Die Dönhoffs waren schon viel früher in der Ruhrgegend, wo sie beheimatet waren, aufgebrochen, um gen Osten - allerdings noch weiter gen Osten - zu ziehen. Sie waren 1330 nach Livland gegangen, und Anfang des 17. Jahrhunderts, als einer von ihnen polnischer Gesandter am Brandenburgischen Hof wurde und dort heiratete, kaufte sich die nächste Generation in Ostpreußen an. Der Besitz, den Graf Dönhoff für 25.000 Thaler erwarb, hieß Friedrichstein und lag 20 Kilometer östlich von Königsberg. Es bestand aus mehreren Höfen und Dörfern, die zusammen etwa 3300 Hektar groß waren. (II, 79)
 
Donnerstag, den 17. September
Königsberg - Rauschen

Am Vormittag Stadtrundfahrt und Besichtigungen in der ehemaligen Hauptstadt Ostpreußens: Dom, Dom-Museum, Kant-Grab, Universität "Albertina" etc.
Am Nachmittag Fahrt nach Rauschen
Übernachtung in Königsberg

 
Freitag, den 18. September
Trakehnen

Fahrt nach Trakehnen über Tapiau (mit einem kurzen Zwischenstopp)
Ein Konzert am Abend oder der Stadtführer berichtet über Königsberg heute (fakultativ)
Übernachtung in Königsberg

Trakehnen: Natürlich spielten Pferde nun eine noch größere Rolle als zuvor, denn nun brachten wir gelegentlich einen Teil der Ferien auch in Trakehnen zu. Das berühmte Gestüt war 1732 von Friedrich Wilhelm I., dem Vater Friedrichs des Großen, gegründet worden. Es beherbergte schon damals über tausend Pferde, darunter fünfhundert Mutterstuten, denn der König hatte die Bestände der vielen "Stutereien", die überall in Ostpreußen verstreut waren, zusammengezogen und sie in Trakehnen untergebracht. Pferden hat schon immer meine Liebe gegolten, aber in Trakehnen lernte ich sie als den Menschen ebenbürtige Geschöpfe kennen. Jeder der zwanzig Hauptbeschäler lebte in einem eigenen Pavillon mit dem dazugehörigen Auslauf und wurde als individuelle Persönlichkeit behandelt. Ihr Stammbaum ging, nicht anders als der der im "Gotha" verzeichneten Adligen, weit zurück in ferne Jahrhunderte. (I, 151f.).
Trakehnen war unglaublich eindrucksvoll: eine herrliche Landschaft, alte Alleen, weiß gestrichene Koppelzäune, grüne Wiesen und edle Pferde, so weit das Auge schweifte. Wer einmal eine Reitjagd dort erlebt hat, wer mit angesehen hat, wie passioniert und mit welchem Schwung die Pferde über die vielen Hindernisse gingen, der wird diesen Anblick gewiß nicht vergessen. (I, 152f.)


 
Samstag, den 19. September
Königsberg - Danzig

Fahrt nach Danzig (Gdansk) - Zeit zur freien Verfügung
Übernachtung in Danzig.
 
Sonntag, den 20. September

Rückreise nach Lüneburg
Änderungen vorbehalten.


Auskunft: Agata Kern
Kulturreferentin für Ostpreußen
Ostpreußisches Landesmuseum
Ritterstraße 10, 21335 Lüneburg
Tel.: 04131/ 75995-15, Fax: 04131/ 75995-11
kulturreferat@ostpreussisches-landesmuseum.de
 
    Literatur:
  1. Marion Dönhoff: Kindheit in Ostpreußen
  2. Marion Dönhoff: Namen die keiner mehr nennt
  3. Marion Dönhoff: Um der Ehre willen
  4. Haug von Kuenheim/Hans Joachim Kürtz: Ostpreußen. Auf den Spuren von Marion Gräfin Dönhoff
  5. Alice Schwarzer: Marion Dönhoff. Ein widerständiges Leben
  6. Klaus Harpprecht: Die Gräfin: Marion Dönhoff. Eine Biographie.
 


 
Teilnahmebedingungen
 
Der Kostenbeitrag für die Teilnehmer an der Studienreise beträgt

im DZ 770,-
EZ-Zuschlag 170,-
Visum für Russland   55,-

    Im Reisepreis sind folgende Leistungen enthalten:
  • Busreise
  • Übernachtungen
  • Halbpension
  • Führungen und Eintritte
  • Fahrt auf dem Oberlandkanal
  • Orgelkonzert in Heilige Linde/Swieta Lipka
  • Schifffahrt Lötzen/Gizycko - Steinort/Sztynort
  • Wissenschaftliche Begleitung
Anmeldeschluss ist der 31. Juli 2009

Anmeldungen bitte an:

Agata Kern
Kulturreferat für Ostpreußen
am Ostpreußischen Landesmuseum
Ritterstr. 10, 21335 Lüneburg
Tel.: 04131/7599515
E-Mail: kulturreferat@ostpreussisches-landesmuseum.de

Die Studienreise findet nur statt, wenn die Mindestteilnehmerzahl von 20 Personen erreicht wird. Falls die Zahl der Anmeldungen die mögliche Teilnehmerzahl übersteigt, entscheidet das Datum der Anmeldung.

Bitte vermerken Sie auf dem Anmeldeformular unbedingt, ob Sie ein Einzel- oder ein Doppelzimmer wünschen.
 
nach oben